Gestern war ich in Schleswig, im Kloster Freiheit an der Schlei. Ein besonderer Ort, der mich vom ersten Moment an beeindruckt hat. Die Architektur, die Geschichte, die Atmosphäre, die Schlei – so vieles dort hat etwas in mir berührt.

Und gleichzeitig hat dieser Ort etwas ganz anderes mit mir gemacht, als ich vorher gedacht hatte.

Ich war mit einem bestimmten Bild dorthin gefahren. Mit Vorstellungen und Ideen, die mich schon eine ganze Weile begleitet hatten. Und während ich dort war, merkte ich, wie viel Altes plötzlich in Bewegung kam. Erinnerungen, Bilder, Gefühle. Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie noch so nah unter der Oberfläche lagen.

Ich konnte es gestern noch nicht richtig greifen. Es war mehr ein Spüren als ein Wissen.

Und vielleicht ist genau das etwas, was ich in den vergangenen Jahren immer mehr gelernt habe: Der Körper weiß manchmal schon etwas, während der Kopf noch versucht, die Geschichte weiterzuerzählen.

Wir entwickeln uns. Wir treffen Entscheidungen, machen Erfahrungen, verändern unsere Richtung. Und manchmal tragen wir dabei noch lange ein Bild von uns mit, das einmal vollkommen richtig war. Wir gehen weiter auf dieses Bild zu, weil wir glauben, dort wollten wir hin. Irgendwann stehen wir tatsächlich davor.

Dann geschieht etwas Merkwürdiges. Der Ort kann wunderschön sein. Die Idee kann immer noch gut sein. Es muss überhaupt nichts falsch daran sein. Plötzlich spürte ich: Ich bin nicht mehr dieselbe, die sich dieses Bild einmal ausgemalt hat. Für mich bedeutet Körperkompetenz auch genau das.

Nicht nur wahrzunehmen, wann mein Körper angespannt oder entspannt ist. Sondern feiner zu werden für das, was in mir geschieht. Zu bemerken, wann etwas weit wird und wann etwas eng wird. Wann etwas lebendig wird und wann ich versuche, an einer Vorstellung festzuhalten, die einmal zu mir gehört hat.

Gestern hat etwas in mir begonnen, sich zu sortieren. Heute Morgen bin ich mit der Frage in den Wald gegangen: Was will ich wirklich?

Dort saß ich dann irgendwann unter einer großen Wurzel, umgeben von Pilzen, Moos, Regen und Stille. Niemand wollte etwas von mir. Ich musste nichts erklären, nichts entscheiden und nichts aus mir machen.

Ich bin nach Schleswig gefahren, weil ich genau an diesem besonderen Ort etwas von dem weitergeben möchte, was sich über viele Jahre in meiner Arbeit entwickelt hat.

Im Kloster Freiheit sollen Räume entstehen, in denen es nicht darum geht, noch mehr zu leisten oder sich weiter zu optimieren. Räume, in denen wir wieder lernen dürfen, unseren Körper wahrzunehmen und seine Sprache zu verstehen.

Es wird dort um Scheinfasten und Ernährung, um guten und erholsamen Schlaf, um Nervensystemregulation und um das gehen, was all diese Bereiche miteinander verbindet: Körperkompetenz entwickeln.

Nicht als etwas, das wir nur mit dem Kopf verstehen, sondern aus Erinnerung, Erfahrung und als Erlebnis.

Spüren, erfahren, ausprobieren, innehalten. Wahrnehmen, was der eigene Körper braucht und was ihn wieder in Sicherheit und Verbindung bringt.

Das Kloster hat etwas Altes in mir berührt. Der Wald hat morgen hat mich wieder ins Jetzt gebracht, dazwischen ist etwas klarer geworden:

Ich muss nicht mehr einem alten Bild von mir folgen. Ich darf aus dem, was ich heute bin, neue Räume gestalten. Ich möchte nicht einfach in einem anderen Seminarort Wissen weitergeben, ich möchte an einem Ort mit Menschen sein, an dem wir für eine Weile aus dem Müssen aussteigen.

Einen Ort, an dem wir wieder zuhören.

Dem Körper. Der Stille. Uns selbst.

Und an dem wir vielleicht irgendwann wieder spüren:

Ich darf einfach sein.