Prakriti und Vikriti – deine natürliche Konstitution und dein augenblicklicher Zustand.
Im Ayurveda geht es nicht darum, dich in eine bestimmte Schublade einzuordnen. Es geht vielmehr darum, dich selbst besser kennenzulernen, deinen Körper zu verstehen und wahrzunehmen, was du gerade brauchst.
Vielleicht kennst du das: Es gibt Zeiten, in denen du dich voller Energie, lebendig und ausgeglichen fühlst. Und dann gibt es Phasen, in denen du schneller erschöpft bist, schlechter schläfst, unruhiger wirst oder dein Körper auf einmal ganz anders reagiert.
Doch bedeutet das, dass du dich grundsätzlich verändert hast?
Im Ayurveda unterscheiden wir zwischen zwei wichtigen Begriffen: Prakriti und Vikriti.
Prakriti – deine natürliche Konstitution
Prakriti beschreibt deine ursprüngliche Veranlagung. Die Eigenschaften, die dich von Natur aus begleiten und die sich häufig schon in deiner Kindheit gezeigt haben.
Vielleicht warst du schon immer ein lebendiger, neugieriger Mensch, voller Ideen und Bewegungsdrang. Vielleicht warst du eher zielstrebig, entschlossen und voller Tatkraft. Oder du gehörtest zu den Menschen, die Ruhe ausstrahlen, beständig sind und sich nicht so leicht aus der Fassung bringen lassen.
All das kann dir Hinweise auf deine natürliche Konstitution geben.
Dabei spielen im Ayurveda die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha eine Rolle. Jeder Mensch trägt alle drei in sich, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Deine Prakriti beschreibt also nicht, wie du sein solltest, sondern welche Eigenschaften dich ursprünglich geprägt haben.
Vikriti – dein augenblicklicher Zustand
Vikriti beschreibt dagegen, wie es dir heute geht.
Denn unser Leben hinterlässt Spuren. Stress, Schlafmangel, Ernährung, Krankheiten, belastende Erfahrungen und Veränderungen können beeinflussen, wie wir uns körperlich und emotional fühlen.
Vielleicht warst du früher ein ruhiger Mensch und fühlst dich heute ständig getrieben. Vielleicht hattest du immer viel Energie und merkst inzwischen, dass du schneller erschöpft bist. Oder dein Körper zeigt dir durch Verdauungsprobleme, Verspannungen oder unruhigen Schlaf, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Genau hier beginnt für mich die Körperkompetenz.
Nicht sofort etwas verändern oder reparieren zu müssen, sondern zunächst einmal wahrzunehmen, was gerade da ist.
Was erzählt dir dein Körper? Was hat sich verändert? Und was könnte er brauchen, um wieder mehr Ruhe, Stabilität und Lebendigkeit zu erfahren?
Zwei Fragebögen – zwei unterschiedliche Blickwinkel
Mit dem ersten Fragebogen, deiner Prakriti, schaust du zurück. Erinnere dich an deine Kindheit und Jugend. Wie warst du damals? Wie hast du dich gefühlt? Welche Eigenschaften haben dich über viele Jahre begleitet?
Beim zweiten Fragebogen, deiner Vikriti, richtest du deine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt.
Wie schläfst du? Wie ist deine Verdauung? Wie viel Energie hast du? Wie reagierst du auf Belastungen? Wie fühlst du dich in deinem Körper?
Nimm dir für beide Fragebögen ausreichend Zeit. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Und du musst auch nicht bei jeder Frage sofort wissen, was auf dich zutrifft.
Manchmal ist es hilfreich, eine Frage erst einmal wirken zu lassen. Deine Körperkompetenz beginnt mit dem Wahrnehmen
Vielleicht stellst du beim Vergleich deiner beiden Fragebögen fest, dass deine ursprüngliche Konstitution und dein heutiger Zustand recht ähnlich sind. Vielleicht bemerkst du aber auch deutliche Unterschiede. Beides ist interessant.
Denn es geht nicht darum, einen perfekten Zustand zu erreichen. Vielmehr darfst du neugierig werden, wie dein Körper auf dein Leben reagiert und was dich wieder in deine eigene Balance bringen könnte.
Der Ayurveda bietet uns dafür eine jahrtausendealte Sichtweise auf die unterschiedlichen Eigenschaften des Menschen. Die Doshas sind dabei traditionelle Orientierungshilfen und keine medizinischen Diagnosen.
Du musst nicht jemand anderes werden. Vielleicht darfst du dich einfach wieder ein bisschen besser kennenlernen.
Und genau darin liegt für mich ein wichtiger Teil von Körperkompetenz: deinen Körper nicht nur zu betrachten, wenn etwas nicht funktioniert, sondern ihn als lebendigen Begleiter wahrzunehmen, mit dem du immer wieder neu in Verbindung kommen kannst.



