Heute Morgen war ich wieder im See baden. Das Wasser ist inzwischen richtig kalt geworden. Und jedes Mal, wenn ich hineingehe, beobachte ich, was in meinem Körper passiert.
Im ersten Moment zieht sich alles zusammen. Der Atem verändert sich, das Herz schlägt schneller und der Körper ist plötzlich hellwach. Die Kälte ist zunächst einmal ein Stressreiz für unser Nervensystem. Und genau das finde ich so spannend. Denn es geht nicht darum, diesen Reiz auszuhalten oder gegen den Körper anzukämpfen, sondern wahrzunehmen, wie er darauf reagiert.
Wenn ich ruhig bleibe, meinen Atem wiederfinde und anschließend aus dem Wasser steige, spüre ich oft eine unglaubliche Lebendigkeit. Meine Haut kribbelt, mein Körper wird warm und ich fühle mich von innen heraus wach und leicht.
Mit diesem Gefühl erkenne ich immer wieder eine Verbindung zum Fasten.
Auch beim Fasten verlassen wir unsere gewohnten Abläufe. Der Körper muss sich umstellen, Stoffwechselprozesse verändern sich und unser Nervensystem reagiert auf diese neue Situation. Gerade Menschen, die über längere Zeit unter Anspannung stehen, brauchen manchmal mehr Zeit, um wirklich zur Ruhe zu kommen.
Ich beobachte in meinen Fastengruppen immer wieder, dass diese Leichtigkeit nicht unbedingt nach drei Tagen eintritt, wie es häufig beschrieben wird. Manche Menschen brauchen länger, bis sie ankommen, loslassen und ihren Körper wieder bewusster wahrnehmen können.
Deshalb ist mir die Verbindung von Fasten, Bewegung, Berührung, Natur und Nervensystemregulation so wichtig. Nicht noch mehr leisten, nicht noch mehr aushalten, sondern lernen, die Signale des eigenen Körpers zu verstehen.
Für mich bedeutet Körperkompetenz, zu erkennen, wann mein Körper eine Herausforderung gut bewältigen kann und wann er Ruhe, Wärme oder Regeneration braucht.
Ob beim Baden im kalten See oder während einer Fastenwoche: Es geht nicht darum, Grenzen zu überwinden, sondern die eigenen Grenzen kennenzulernen.



