Die Entscheidung einen Monat lang kein Yoga zu unterrichten, kostet mich mehr Kraft, als ich mir eingestehen möchte und erlaube.
Von außen betrachtet war sie klein. Ein paar Termine absagen. Raum schaffen. Eine Pause zulassen. Doch innerlich war da Widerstand. Zweifel. Die Sorge, jemanden zu enttäuschen. Die Angst, etwas zu verlieren, wenn ich loslasse.
Tagelang habe ich die Entscheidung bewegt, gewendet, hinterfragt. Mein Kopf suchte nach Sicherheit, mein Herz nach Gewissheit. Und währenddessen bemerkte ich immer wieder diesen tiefen Atemzug, der wie von selbst kam. Ein Einatmen. Ein Ausatmen. Als würde mein Körper etwas wissen, das mein Verstand noch nicht verstehen konnte.
Irgendwann traf ich die Entscheidung. Und dann geschah etwas Merkwürdiges. Mein Tinnitus war weg, von jetzt auf nun. Ich verspüre Gefühle und Emotionen für die es kaum Raum gab. Im Moment kann ich keine Katastrophe erkennen, ich fühle mich allerdings als wenn etwas in mir einen Zusammenbruch erleidet. Zur Zeit nimmt dasVertrauen mehr Raum ein als die Ängste, die so viel Raum eingenommen haben. Stattdessen entstand eine Stille und eine ungewohnte Weite.
Und mit ihr die Erkenntnis, wie oft wir glauben, ständig etwas tun, lösen oder voranbringen zu müssen. Wie sehr wir uns manchmal über das definieren, was wir tragen. Und wie fremd es sich anfühlen kann, wenn wir es für einen Moment ablegen. Achtsamkeit bedeutet nicht, immer ruhig oder gelassen zu sein. Achtsamkeit beginnt oft genau dort, wo ich die Kontrolle verliere. Dort, wo ich nicht weiß, wie es weitergeht. Dort, wo ich nur den nächsten Atemzug wahrnehmen kann.
Einatmen – Ausatmen und wieder ein kleines Stück Vertrauen finden. Nicht in einen perfekten Plan, sondern in die Erfahrung, dass das Leben sich oft erst dann zeigen kann, wenn wir aufhören, es festhalten zu wollen. Manchmal entsteht so etwas Neues, nicht durch mehr Anstrengung, sondern durch den Raum, den wir schaffen, wenn wir bereit sind, für einen Moment nichts zu tun. Darin werde ich mich jetzt üben. In der Theorie weiß ich wie es geht, aber Umsetzung und Praxis fühlen sich manchmal sehr anders an.
Gerade eben habe ich eine Nachricht bekommen, mit Genesungswünschen und alles scheint mich gerade sehr zu berühren und das Leben und die Menschen darin umarmen mich in dem berührt SEIN.



