Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir nicht wissen, wie es weitergeht. Eine Diagnose verändert plötzlich den vertrauten Blick auf uns selbst. Eine Beziehung endet. Ein geliebter Mensch wird krank. Der Körper sendet Signale, die wir nicht einordnen können. Das Älterwerden stellt Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
In solchen Momenten geraten wir in einen Zwischenraum. Das Alte trägt nicht mehr wie gewohnt und das Neue ist noch nicht sichtbar.
Wir stehen zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Festhalten und Loslassen, zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und der Erfahrung, dass das Leben uns diese Sicherheit nicht immer geben kann. Viele Menschen beschreiben diesen Zustand wie ein inneres Zerreißen. Ein Teil möchte festhalten und ein anderer spürt, dass etwas Neues entstehen möchte. Ein Teil sucht nach Antworten und ein anderer ahnt, dass nicht jede Frage beantwortet werden kann. Dieses Spannungsfeld gehört zum Menschsein.
Wir begegnen ihm bei einer Geburt, wenn eine vertraute Welt verlassen wird. Wir begegnen ihm in Krankheit, in Krisen, in Abschieden und Übergängen. Immer dann, wenn das Leben uns einlädt, vertraute Sicherheiten loszulassen. Unser Verstand sucht in solchen Momenten nach Gewissheit. Er möchte wissen:
Wird alles wieder gut?
Wie wird es weitergehen?
Was muss ich tun?
Doch nicht immer finden wir Antworten, oftmals bleibt nur die Erfahrung des Nichtwissens. Aus Erfahrung weiß ich genau dort beginnt oft eine andere Form von Vertrauen und doch fällt es mir manchmal schwer, denn hier präsentiert sich Theorie und Praxis. Das Umsetzten mit dem ersten Schritt ins Ungewisse. Nicht das Vertrauen, dass alles nach unseren Vorstellungen verlaufen wird, sondern das Vertrauen, dass wir auch dem begegnen können, was wir noch nicht kennen.
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie viel Kraft entsteht, wenn Menschen aufhören, gegen ihre Unsicherheit zu kämpfen. Nicht weil die Angst verschwindet und ganz bestimmt nicht weil der Schmerz sofort leichter wird, sondern weil sie beginnen, dem gegenwärtigen Moment zu begegnen.
Mit dem Atem.
Mit dem Körper.
Mit dem, was gerade da ist.
Unser Nervensystem sehnt sich nicht in erster Linie nach Erklärungen. Es sehnt sich nach Sicherheit, Verbindung und Präsenz. Wenn wir uns erinnern wieder wahrzunehmen, was uns trägt, kann selbst mitten in der Ungewissheit etwas ruhiger werden.
Dann entsteht Raum
Raum für die Angst
Raum für die Hoffnung
Raum für die Trauer
Raum für das Leben
Vertrauen besteht nicht darin, zu wissen, was morgen geschieht, eher darin dem Leben auch dort zu begegnen, wo wir keine Gewissheit haben. Immer wieder zu üben zu akzeptieren und immer wieder zurückzukehren.
In den Körper – In den Atem – In diesen einen Augenblick
entdecken wir genau dort etwas, wonach wir lange gesucht haben: Nicht die Kontrolle über das Leben, sondern die Fähigkeit, dem Augenblick offen und verbunden zu begegnen.



