Heute während einer Massage ist mir noch einmal etwas ganz tief bewusst geworden, dieses Gefühl dafür, wie viel sich verändert, wenn wir unseren eigenen Körper wirklich wahrnehmen, wenn eine Berührung nicht einfach nur dazu da ist, dass etwas weggeht oder wir uns danach besser fühlen sollen, sondern wenn wir plötzlich spüren können, wo wir eigentlich gerade stehen, wie sich unser Körper heute anfühlt und was er uns vielleicht schon die ganze Zeit erzählt.
Und genau da kam dieses Wort wieder zu mir: Körperkompetenz. Denn eigentlich bedeutet es für mich genau das, den eigenen Körper so gut kennenzulernen, dass ich langsam wieder verstehe, was er mir sagen möchte, nicht erst dann, wenn er laut wird, wenn etwas wehtut, wenn ich erschöpft bin oder irgendwann gar nichts mehr geht, sondern schon viel früher diese kleinen Veränderungen wahrzunehmen, diese Spannung irgendwo im Körper, einen Atem, der plötzlich flacher wird, eine Müdigkeit, ein Ziehen, vielleicht auch dieses Gefühl von Weite und Leichtigkeit, wenn mir etwas wirklich guttut.
Und während ich dort lag, habe ich auch noch einmal gespürt, dass Körperkompetenz überhaupt nicht bedeutet, alles alleine machen zu müssen. Im Gegenteil. Wie schön ist es, wenn jemand anderes den eigenen Körper berührt, wenn wir uns behandeln, begleiten und unterstützen lassen können, wenn jemand mit einem guten Körpergefühl vielleicht sogar etwas wahrnimmt, das wir selbst gerade noch gar nicht wahrnehmen können, und trotzdem bleibt da etwas bei uns, diese Verantwortung für den eigenen Körper nicht vollständig nach außen abzugeben, sondern selbst wieder ein Teil der eigenen Versorgung zu werden.
Vielleicht beginnt genau dort etwas ganz Wesentliches, nämlich Akzeptanz. Nicht sofort wieder etwas verändern zu wollen, nicht gleich zu überlegen, welche Methode ich jetzt brauche und wie ich diesen Zustand möglichst schnell wegbekomme, sondern für einen Moment einfach zu spüren: So ist es gerade. So fühlt sich mein Körper heute an. Genau hier stehe ich.
Und plötzlich muss daraus gar kein Kampf mehr entstehen. Akzeptanz bedeutet für mich nicht, dass alles so bleiben muss, wie es ist, sondern dass ich aufhöre, gegen das anzukämpfen, was gerade da ist, und von dort aus viel klarer wahrnehmen kann, was mein Körper eigentlich braucht.
Denn wenn ich ihn wieder wahrnehme, kann ich anfangen, seine Sprache zu verstehen, und wenn ich seine Sprache besser verstehe, kann ich auch anders für ihn sorgen. Vielleicht brauche ich heute Bewegung, vielleicht Ruhe, vielleicht Berührung, Wärme, einen Spaziergang, einen tiefen Atemzug oder einfach einen Moment, in dem ich nichts von mir verlange.
Und daraus entsteht mit der Zeit etwas, das für mich viel tiefer geht als Entspannung: Vertrauen in den eigenen Körper. Dieses Wissen, dass mein Körper nicht gegen mich arbeitet, sondern dass er die ganze Zeit mit mir kommuniziert, dass seine Signale nicht einfach nur störend sind, sondern mir etwas zeigen können.
Vielleicht ist genau das für mich der Kern von Körperkompetenz: nicht ständig am Körper zu arbeiten, sondern wieder zu lernen, mit ihm zu arbeiten, ihn nicht als etwas zu betrachten, das funktionieren muss, sondern als einen lebendigen Teil von mir, der jeden Tag mit mir spricht.
Und je besser ich diese Sprache wieder verstehe, desto mehr kann ich Verantwortung für mich übernehmen, nicht streng und kontrollierend, sondern sanft, aufmerksam und verbunden.
Mein Körper muss nicht perfekt funktionieren.
Ich darf lernen, ihn zu verstehen.



