Warum Bewegung, Ernährung, Entspannung und Schlaf so eng mit unserem Nervensystem verbunden sind.
Gerade begleite ich sieben Frauen eine Woche lang durch das Fasten. Sieben Frauen, sieben unterschiedliche Lebensgeschichten und sieben Körper, die ihre ganz eigenen Bedürfnisse mitbringen.
Und wieder einmal wird mir bewusst, dass es beim Fasten, um so viel mehr geht als um den Verzicht auf feste Nahrung.
Es geht darum, sich selbst wieder zu begegnen
Den eigenen Körper wahrzunehmen. Seine Signale zu verstehen. Und vielleicht auch zu entdecken, wie viel wir im Alltag übergehen, weil wir funktionieren, leisten und weitermachen. Für mich sind dabei vier Säulen besonders wichtig: Bewegung, Ernährung, Entspannung und Schlaf. Sie stehen nicht unabhängig voneinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig und sind eng mit unserem Nervensystem verbunden.
Bewegung – unser Körper möchte lebendig bleiben
Während unserer Fastenwoche bewegen wir uns ganz bewusst. Wir gehen spazieren, praktizieren sanftes Yoga, atmen und nehmen unseren Körper wahr. Bewegung aktiviert unsere Muskulatur, unterstützt den Kreislauf und kann sich positiv auf unsere Stimmung auswirken. Doch Bewegung kann noch etwas anderes: Sie hilft uns, wieder in Kontakt mit unserem Körper zu kommen.
Unser Gehirn erhält ununterbrochen Informationen aus Muskeln, Gelenken und inneren Organen. Diese Informationen helfen uns, unsere Körperhaltung, unsere Belastung und unseren inneren Zustand wahrzunehmen. Wenn wir uns bewusst bewegen, können wir lernen, diese Signale differenzierter zu erkennen.
Dabei geht es nicht um Leistung. Gerade während des Fastens darf Bewegung sanft und an die individuelle Belastbarkeit angepasst sein. Manchmal ist ein Spaziergang genau richtig. Manchmal braucht der Körper Ruhe. Körperkompetenz bedeutet auch, diesen Unterschied wahrzunehmen.
Ernährung – mehr als nur Nahrungsaufnahme
Beim Fasten verändern wir vorübergehend unsere gewohnte Nahrungsaufnahme. Das kann eine Gelegenheit sein, unsere Beziehung zum Essen bewusster zu betrachten. Wann habe ich wirklich Hunger? Wann esse ich aus Gewohnheit? Und wann vielleicht, weil ich müde, angespannt oder emotional belastet bin? Unser Verdauungssystem steht in enger Verbindung mit unserem Nervensystem. Über Nervenbahnen, Hormone und weitere Botenstoffe kommunizieren Darm und Gehirn miteinander.
Auch der Vagusnerv spielt bei dieser Kommunikation eine wichtige Rolle.
Deshalb gehört für mich zu einer bewussten Ernährung nicht nur die Frage, was wir essen, sondern auch, wie wir essen und wie es uns dabei geht. Fasten ist allerdings nicht für jeden Menschen geeignet. Deshalb sind eine passende Vorbereitung, individuelle Begleitung und die Berücksichtigung gesundheitlicher Voraussetzungen besonders wichtig.
Entspannung – Sicherheit beginnt im Körper
Unser autonomes Nervensystem reguliert viele lebenswichtige Funktionen, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken müssen. Herzschlag, Atmung, Verdauung und zahlreiche Regenerationsprozesse werden fortlaufend an unsere Bedürfnisse angepasst. Bei Stress wird unser Körper auf erhöhte Anforderungen vorbereitet. Das ist zunächst eine sinnvolle und lebenswichtige Reaktion. Doch wenn wir dauerhaft angespannt sind, kann es schwerfallen, wieder zur Ruhe zu kommen. Hier können bewusste Atmung, sanfte Bewegung, achtsame Körperwahrnehmung und Entspannungsübungen unterstützen.
Es geht nicht darum, ständig entspannt sein zu müssen
Es geht darum, wieder mehr Flexibilität und eine gewisse Elastizität im Faszialen Gewebe zu entwickeln: Aktiv sein zu können, wenn es nötig ist, und zur Ruhe zu finden, wenn es möglich ist. Sicherheit beginnt im Körper – und wächst durch Erfahrungen, in denen wir uns selbst wieder als handlungsfähig erleben.
Schlaf – wenn Regeneration Raum bekommt
Schlaf ist keine verlorene Zeit. Während wir schlafen, laufen wichtige Prozesse für Gedächtnis, Stoffwechsel, Immunsystem und körperliche Erholung ab. Stress, unregelmäßige Tagesabläufe und anhaltende Anspannung können unseren Schlaf beeinflussen. Umgekehrt wirkt sich schlechter Schlaf häufig auf unsere Belastbarkeit, Stimmung und Stressregulation aus. Deshalb gehören Schlaf und Regeneration für mich untrennbar zur Gesundheitsförderung.
Nicht als weitere Aufgabe, die wir perfekt erfüllen müssen, sondern als Einladung, unserem Körper ausreichend Erholung zu ermöglichen. Vom Wissen zum Erleben Was mich bei meiner Arbeit immer wieder berührt, sind die kleinen Veränderungen. Wenn Menschen plötzlich bewusster atmen. Wenn sie bemerken, dass ihre Schultern weicher werden. Wenn aus Anspannung ein Moment der Ruhe entsteht, oder wenn jemand erkennt: Heute brauche ich nicht noch mehr Anstrengung, heute brauche ich eine Pause.
In einem Gespräch über Fasten und Körperwahrnehmung wurde mir noch einmal deutlich, wie wertvoll es sein kann, aus dem ständigen Denken herauszukommen und dem eigenen Erleben wieder mehr Raum zu geben. Wir müssen unseren Körper nicht ständig optimieren. Wir dürfen lernen, ihn besser zu verstehen.
Das ist für mich der Kern von Körperkompetenz
Körperkompetenz entwickeln – ein Weg zurück zu sich selbst
Bewegung, Ernährung, Entspannung und Schlaf sind keine voneinander getrennten Aufgaben. Sie bilden ein Zusammenspiel, das unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflusst. Das Fasten kann einen bewussten Rahmen bieten, um dieses Zusammenspiel zu erleben. Doch wir müssen nicht fasten, um damit zu beginnen. Vielleicht reicht heute schon ein Spaziergang, eine bewusste Atempause, eine Mahlzeit ohne Ablenkung oder ein früherer Feierabend.
Nicht noch mehr leisten, sondern wieder mehr wahrnehmen
Denn Körperkompetenz beginnt dort,
wo wir lernen, die Sprache unseres Körpers zu verstehen.



