Manchmal beginnt es ganz leise. Ein Ziehen am Morgen. Ein Gefühl von Steifheit, als bräuchten die Gelenke einen Moment länger, um im Tag anzukommen. Viele Menschen hören dann Begriffe wie Arthrose oder Arthritis – und spüren erst einmal Sorge. Dabei ist es hilfreich, den Unterschied zu kennen:

Arthrose ist eine Abnutzung des Gelenks. Der Knorpel wird im Laufe der Zeit dünner, die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein.
Arthritis dagegen ist eine Entzündung im Gelenk – oft begleitet von Wärme, Schwellung und Schmerz, manchmal schubweise.

Beides fühlt sich im Körper unterschiedlich an. Und beides braucht etwas anderes: Aufmerksamkeit. Geduld. Und ein gutes Gespür für die eigenen Grenzen. Viele fragen sich dann: Darf ich mich überhaupt noch bewegen? Darf ich Yoga machen? Aus yogischer Sicht – und aus vieler Erfahrung – lautet die Antwort oft: Ja, achtsam. Nicht, um etwas „wegzumachen“. Sondern um in Beziehung zu bleiben mit dem Körper.

Durch sanfte Mobilisation, Kreisen, kleine, bewusste Bewegungen wird das Gelenk versorgt. Bewegung hilft, die Gelenkflüssigkeit – oft liebevoll als „Gelenkschmiere“ bezeichnet – anzuregen. Arthrose verschwindet dadurch nicht. Aber das Gefühl im Körper verändert sich. Man spürt sich wieder. Man bleibt im Kontakt. Und vielleicht entsteht dabei Raum für eine andere Art von Fragen.

Eine kleine innere Reise – während du deine Gelenke bewegst

Stell dir vor, du gehst einen langsamen Weg entlang. Es ist kein Ziel vorgegeben. Nur Bewegung. Während du sanft deine Gelenke kreisen lässt – vielleicht die Schultern, die Handgelenke, die Hüften – atmest du ruhig ein und aus. Mit jeder Bewegung fragst du nicht: Wie weit komme ich? Sondern: Wie fühlt es sich an?

Vielleicht taucht eine Frage auf wie von selbst: Wo habe ich mich in meinem Leben lange angepasst? Wo bin ich beweglich geblieben – innerlich und äußerlich? Du musst keine Antwort finden.
Es reicht, zu lauschen.

Mit jedem Kreis darf etwas weicher werden. Nicht, weil du etwas aufgibst. Sondern weil du dir erlaubst, Spannung loszulassen, die nicht mehr gebraucht wird. Manche Gelenke fühlen sich offen an, andere vorsichtig, vielleicht auch widerspenstig. Du begegnest ihnen allen gleich: mit Respekt. Und vielleicht spürst du irgendwann: Beweglichkeit ist nicht nur eine körperliche Eigenschaft.
Sie ist eine innere Haltung.

Ein sanfter Impuls

Yoga – oder jede achtsame Bewegung – ist keine Therapie im strengen Sinn. Es ist eine Einladung. Zum Spüren. Zum Innehalten. Zum liebevollen Dialog mit dem eigenen Körper. Gerade bei Arthrose oder Arthritis geht es nicht darum, „durchzuziehen“. Sondern darum, bei sich zu bleiben. Vielleicht ist das der wichtigste Effekt: Dass wir wieder lernen, uns zu fragen Was brauche ich – heute? Und dem Körper zuhören, bevor er lauter werden muss.