Angst ist ein natürlicher Teil unseres Nervensystems. Sie zeigt uns, dass unser Körper aufmerksam ist, dass er sich schützen möchte. Für Menschen, die schon viel erlebt haben – sei es durch Krankheit, Verletzung oder Trauma – kann Angst besonders intensiv sein. Sie kann sich als Enge, Herzklopfen, flacher Atem oder innere Unruhe zeigen. Oder manchmal als das Gefühl, sich zurückziehen zu müssen, still werden zu müssen, um „durchzuhalten“. Es ist wichtig zu wissen: Angst ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Teil von dir, der gehört werden möchte. Ein Teil, der versucht, dich zu schützen, weil er gelernt hat, wachsam zu sein.

Unser Nervensystem hat verschiedene Wege, auf Stress oder Bedrohung zu reagieren: Manchmal schaltet es auf Kampf oder Flucht, manchmal auf Erstarrung. Dabei ist der Vagusnerv entscheidend – er verbindet Herz, Lunge und Bauch miteinander und hilft uns, Sicherheit, Ruhe und Verbundenheit zu spüren. Bei Trauma oder Krankheit kann dieses System sensibler sein – es schaltet schneller in Alarmbereitschaft. Das ist verständlich und vollkommen menschlich.

Der Schlüssel liegt nicht darin, die Angst wegzudrängen. Der Schlüssel liegt darin, sie mitfühlend wahrzunehmen, sie als einen Teil von dir zu erkennen, der gesehen werden möchte. Du darfst innerlich sagen: Ja, ich sehe dich, Angst. Ich erkenne dich an. Und du darfst dabei den Atem nutzen – als sanften Anker, als sicheren Halt. Mit jedem Einatmen nähren wir unsere innere Stabilität. Mit jedem Ausatmen dürfen sich Spannung und Enge ein kleines Stück lösen. Wenn wir Angst auf diese Weise begegnen, beginnt ein sehr leiser Wandel: Nicht sofort, nicht erzwungen, aber spürbar. Du erkennst: Ich bin mehr als meine Angst. Und doch darf sie Teil von mir sein.

Wenn du möchtest schicke ich dir diese Meditation auch als Audio, damit du sie Nachts hören kannst, wenn die Unruhe oder die Angst zu laut werden.

Sanfte Worte und Visualisierung für deine abendliche Meditation:

Stell dir vor, dass du auf eine weite Blumenwiese trittst. Eine Wiese, die nur für dich da ist. Mit Blumen in allen Formen und Farben. Mit einem Boden, der dich trägt.

Jede Blume, die du pflückst, darf einen Angstanteil in dir repräsentieren. Vielleicht ist es eine einzelne Blume, vielleicht ein kleiner Strauß. Du hältst sie sanft in deinem Arm. Du spürst ihr Gewicht, ihre Lebendigkeit. Und mit deinem Atem fließt Ruhe in diesen Strauß hinein – ein Einatmen für Sicherheit, ein Ausatmen für Loslassen.

So darf Angst einen Platz finden, ohne zu überwältigen. Du lernst, ihr zu begegnen – mit Sanftheit, mit Mitgefühl, mit Atem und Körperwahrnehmung.

Diese Wiese kann jederzeit wieder betreten werden. Immer dann, wenn Angst auftaucht, wenn dein Nervensystem Alarm schlägt, wenn dein Körper Schutz braucht.

Du bist eingeladen, dich selbst auf dieser Wiese zu halten. Und dort Frieden zu spüren – Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug.