Aus meiner Erfahrung entsteht Stress weniger durch das, was im Außen geschieht, sondern durch den Zustand unseres Nervensystems. Viele Menschen leben dauerhaft im „Anspannungsmodus“ – ohne es zu merken. Deshalb beginnt echte Stressreduktion nicht mit Zeitmanagement, sondern mit Wahrnehmung.
Ich rate dazu, den Körper wieder als Orientierung zu nutzen: Wie atme ich gerade? Wo bin ich angespannt? Wo halte ich unbewusst den Atem an?
Schon kleine, regelmäßige Momente bewusster Atmung können dem Nervensystem signalisieren: Ich bin sicher. Das reduziert nachweislich innere Alarmzustände. Ebenso wichtig ist es, die eigenen Grenzen frühzeitig wahrzunehmen – nicht erst dann, wenn Erschöpfung oder Schlafprobleme auftreten.
Im Yoga arbeite ich weniger mit Leistung oder perfekten Haltungen, sondern mit langsamen, einfachen Bewegungen, die den Körper wieder spürbar machen. Wenn wir uns selbst wieder fühlen, reguliert sich vieles von innen heraus.
Wie kann es gelingen, diese Strategien nachhaltig in den Alltag zu integrieren?
Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Disziplin, sondern durch Beziehung zu sich selbst. Viele gute Vorsätze scheitern, weil sie zusätzlich Druck erzeugen. Der Alltag braucht keine weiteren „To-dos“, sondern verlässliche Anker.
Ich empfehle Rituale, die klein genug sind, um realistisch zu bleiben: zwei bewusste Atemzüge vor dem Aufstehen, eine Minute Ankommen im Körper vor dem Schlafengehen, oder ein kurzer Moment der Stille zwischen zwei Terminen.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Dauer. Das Nervensystem lernt durch Wiederholung. Wenn diese kleinen Pausen als wohltuend erlebt werden, integrieren sie sich fast von selbst in den Alltag.
Stressreduktion bedeutet nicht, das Leben zu entschleunigen – sondern sich selbst im eigenen Leben wieder mitzunehmen.



