In Neuseeland habe ich erfahren, dass Regulation nichts ist, was man übt. Sondern etwas, das geschieht, wenn man lange genug bleibt.

Ich habe dort Zeit im Busch verbracht. Mit Menschen, die wenig erklärten. Und mit der Maori Heiltradition, Rongoā Māori, die nicht trennt zwischen Mensch und Land. Das Land selbst war Teil der Medizin. Nicht symbolisch. Ganz konkret. Der Boden unter den Füßen. Die Bäume. Das Wasser. Der Wind. Das Nervensystem musste nichts verstehen. Es durfte einfach reagieren. Oder besser: es durfte aufhören zu reagieren.

Ich erinnere mich an ein Retreat im Busch. Wir haben getönt. Wir standen im Kreis und hielten uns an den Händen. Es gab diese Gesänge, diese Klänge, die sich irgendwann von uns gelöst haben. Ich habe die Augen geöffnet, weil ich dachte, jemand spielt ein Instrument. Aber da war niemand. Die Klänge waren einfach da. Im Raum. Im Wald. Zwischen uns. Nicht spektakulär.
Nicht laut. Aber so klar, dass der Verstand neugierig wurde, aber mein Körper sofort wusste: Das hier ist echt.

Wir haben danach Tage am Bach verbracht. Das Wasser war immer da. Das Rauschen. Diese gleichmäßige Bewegung, die nichts fordert. Und dann waren da die Fantails. Diese kleinen Vögel mit ihren aufgefächerten Federn. Wenn sie auftauchten, sagten die heimischen das sich ein magischer Zauber zeigt. Nicht im Sinne von etwas Besonderem. Sondern im Sinne von: Jetzt stimmt alles. Sie spielten im Geäst. Das Wasser floss. Die Bäume standen. Und wir waren einfach Teil davon. Es wurde wenig gesprochen. Und genau das war das Heilsame.

Diese Stille hatte Tiefe. Keine Leere. Keine Abwesenheit. Sondern eine tragende Qualität. Ich glaube, dort habe ich verstanden, was es heißt, vom Land reguliert zu werden. Nicht gehalten von Menschen. Nicht beruhigt durch Worte. Sondern getragen von etwas Größerem, das nichts von dir will.

Der junge Farn, der Koru, war einfach Teil dieser Welt. Er stand da. Rollte sich ein. Und irgendwann entfaltete er sich. Ohne Absicht. Ohne Ziel. Diese Erfahrung hat sich in mich eingeschrieben.
Nicht als Erinnerung im Kopf, sondern als Zustand im Körper. Bis heute wirkt sie nach. In meiner Art zu sein. In meiner Arbeit. In meinen Berührungen. In meinen Projekten.

Ich vertraue dem Rhythmus wieder. Dem Einrollen. Dem Warten. Und dem Moment, in dem sich etwas von selbst entfaltet. Diese Tiefe kann man nicht lernen. Man kann sie nur betreten. Im Sein. Im Dableiben. Im Lauschen. Vielleicht ist das die größte Lehre, die mir Neuseeland geschenkt hat: Dass Heilung oft dort beginnt, wo wir still genug werden, um wieder Teil von allem zu sein.