Manchmal braucht es eine Form, damit sich etwas im Inneren sammeln kann. Nicht als Technik. Nicht als Übung zum „Besserwerden“. Sondern wie eine leise Spur, der man eine Weile folgt.
In den nächsten Texten schreibe ich über drei Zeichen, die mich lange begleitet haben:
Cho Ku Rei.
Sei He Ki.
Hon Sha Ze Sho Nen.
Nicht als Unterricht. Nicht als System. Eher wie innere Landschaften, die ich durchwandert habe. Vielleicht findest du darin eigene Orte. Vielleicht auch nicht. Auch das ist gut. Wenn Fragen auftauchen, darfst du sie mitbringen. Fragen öffnen mehr als Antworten.
Cho Ku Rei – Sammlung im Körper
Wenn ich Cho Ku Rei wiederhole, fühlt es sich an, als würde etwas von weit draußen zurückkommen. Als würden Fäden, die sich im Außen verfangen haben, langsam wieder in mir ankommen. Nicht dramatisch. Eher schlicht. Wo bin ich gerade mit meiner Aufmerksamkeit? Wie viel von mir ist wirklich hier im Körper?
Cho Ku Rei.
Cho Ku Rei.
Cho Ku Rei.
Dreimal. Nicht, weil es „muss“. Sondern weil etwas in uns Schichten hat. Das wache Bewusstsein. Das, was darunter wirkt. Und das Tiefe, das oft still bleibt und doch unser Leben mitlenkt. Was verändert sich im Körper, wenn du das Zeichen dreimal sprichst und die Hände auf dein Herz legst?
Wird der Atem anders? Sammelt sich etwas im Brustraum? Werden die Gedanken langsamer — oder erst einmal lauter? Cho Ku Rei ist kein Symbol für „mehr Energie“. Eher für Energie, die wieder bei dir ankommt. Aus dem Reagieren. Aus dem Müssen. Aus dem ständigen Nach-außen-Gerichtet-Sein. Zurück in Muskeln. In Gewebe. In Knochen. Kannst du spüren, ob dein Körper ein kleines Stück mehr Führung übernimmt, wenn du das Zeichen eine Weile begleitest?
Die Einladung – 21 Tage
Manche Dinge öffnen sich nicht sofort. Sie brauchen Wiederholung. Nicht aus Disziplin, sondern aus Beziehung. 21 Tage lang Cho Ku Rei wie ein leises Mantra mit dir zu tragen. Vielleicht morgens. Vielleicht abends. Vielleicht zwischendurch, wenn du merkst, dass du dich verlierst. Dreimal sprechen. Hände auf das Herz. Einen Atemzug warten. Was zeigt sich heute?
Bilder?
Gefühle?
Widerstand?
Nichts?
Schreibe alles in dein Tagebuch. Nichts verschönern, oder richtigstellen, einfach die rohe pure Form mit dem was kommt. Nur wahr für diesen Moment. Nach einigen Tagen beginnt oft etwas, mitzuarbeiten, das nicht nur aus Denken besteht. Neue Verbindungen entstehen leise. Im Nervensystem. Zwischen Bewusstsein und dem, was sonst im Hintergrund wirkt. Was, wenn diese 21 Tage weniger ein Training sind und mehr ein Kennenlernen? Zwischen dir und deiner eigenen inneren Führung. Woran würdest du merken, dass du wieder mehr aus dir heraus handelst statt aus Druck? Wann spürst du: Ich bin da. Ich bin gesammelt. Vielleicht wird Cho Ku Rei dann nicht mehr etwas, das du „anwendest“. Sondern etwas, das dich findet, wenn du es brauchst.



