Die letzten Tage waren intensiv. Vielleicht kennst du das auch. Eine Wut, die nicht laut sein will – aber deutlich. Eine Unruhe, die nicht wegmeditiert werden möchte. Ein Gefühl von So wie bisher geht es nicht weiter, ohne schon zu wissen, wie es stattdessen wird. Ich habe mich dabei beobachtet. Nicht von außen. Sondern von innen – im Körper.

Ich saß da, habe das Licht angezündet, den Raum bewusst wahrgenommen. Und gemerkt: Ich bin da. Auch mit der Wut. Auch mit der Müdigkeit. Auch mit diesem merkwürdigen Dazwischen, das entsteht, wenn Altes nicht mehr trägt und Neues noch keine Form hat.

Vielleicht ist das gerade eine kollektive Erfahrung. Vielleicht ist es das, was viele gerade spüren: Ein inneres Zusammenbrechen alter Sicherheiten, alter Rollen, alter Selbstbilder. Nicht nur im Außen – sondern in uns. Und der Körper weiß das oft früher als der Kopf.

Wenn der Körper sich verändert. Wenn er nicht mehr „funktioniert“ wie früher. Wenn er Symptome zeigt, die sich nicht einfach wegmachen lassen. Dann geht es selten nur um ein Organ oder eine Diagnose. Dann geht es um Beziehung. Zur eigenen Lebendigkeit. Zum Nervensystem. Zum Leben selbst.

Ich beginne, meine Arbeit noch klarer von dort aus zu denken. Vom Körper her. Vom Nervensystem her. Von der Frage: Was braucht es, damit sich ein Mensch in sich wieder sicher fühlen kann – auch wenn das Leben unübersichtlich geworden ist? Dabei geht es nicht um schnelle Lösungen. Nicht um Optimierung. Nicht um Versprechen. Sondern um Begleitung. Um Präsenz.
Um Räume, in denen der Körper sprechen darf – auch mit Zittern, Schmerz, Hautreaktionen, Erschöpfung, innerer Starre.

Wir wissen heute, dass unser Nervensystem formbar bleibt. Dass Erfahrungen, Beziehung, Berührung, Atem, Rhythmus und Sicherheit Spuren hinterlassen – bis auf zellulärer Ebene. Nicht als Zauberformel. Sondern als Möglichkeit. Vielleicht ist das der leise Wandel. Nicht alles neu. Sondern anders da sein. Aufmerksamer. Verkörperter. Wahrhaftiger.

Ich gehe diesen Weg weiter. Lauschend. Beobachtend. Mit dem Vertrauen, dass Tiefe nichts Lautes braucht. Wenn du dich hier wiedererkennst – in der Unruhe, in der Wut, im Körper, der nach etwas Ehrlichem ruft – dann bist du willkommen. Nicht, um repariert zu werden. Sondern, um dir selbst wieder näherzukommen.

Willkommen im neuen Jahr. Willkommen im leisen Wandel.