Angst ist nicht nur laut. Sie ist nicht nur überwältigend.
Manchmal ist sie zart. Fast durchsichtig. Wie ein leiser Hauch im Körper, kaum wahrnehmbar.
Und manchmal ist sie kraftvoll. Drängend. Unübersehbar.
Die Mohnblume erinnert uns daran.
Ihre Blätter sind dünn wie Seide. Ein Windstoß kann sie bewegen. Und doch wächst sie auf offenem Feld, standhaft, leuchtend, unerschrocken.
So ist auch die Angst.
Sie zeigt sich fein und verletzlich – und im nächsten Moment intensiv, durchdringend, kaum zu übersehen.
Die Mohnblume braucht keinen festen Stängel, um präsent zu sein. Ihre Kraft liegt nicht in Härte, sondern in ihrer Lebendigkeit.
Auch Angst ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein sensibles Wahrnehmungsorgan. Ein Teil unseres Nervensystems, der aufmerksam ist, wach, schützend.
Wenn wir versuchen, Angst zu bekämpfen oder zu unterdrücken, zerreißen wir oft genau diese feine Struktur. Wie ein zu grober Griff nach einer Mohnblume.
Wenn wir ihr jedoch behutsam begegnen, sie ansehen, sie halten, kann sich etwas entspannen.
Angst will nicht weg. Sie will gehalten werden.
Wie eine Mohnblume im Arm: zart – und doch kraftvoll. empfindsam – und zugleich lebendig.
Vielleicht siehst du, wenn du die Augen schließt und dir deine Angst vorstellst, als einzelne Mohnblume, Vielleicht aber auch als ganzer Strauß.
Du musst sie nicht verändern. Du darfst sie wahrnehmen. Mit deinem Atem. Mit deinem Körper. Wo spürst Du deine Angst im Körper. Atme in diesen Teil deines Körpers hinein und lenke den Atem dort hin. Und genau darin liegt die Wandlung: Nicht im Denken, sondern im Spüren.



