Es gibt einen Ort im Körper, der selten laut wird. Er meldet sich nicht mit großen Gesten. Und doch hält er alles. Der Beckenboden liegt im Inneren, gespannt wie ein feines Netz. Er trägt Organe, Gewicht, Bewegung. Er hält uns aufrecht – oft unbemerkt, ein Leben lang.
Viele kennen ihn nur aus bestimmten Momenten: in der Schwangerschaft, nach einer Geburt, bei Schmerzen, bei Schwäche, bei Verlust von Kontrolle. Doch der Beckenboden ist mehr als eine Funktion. Er ist ein Erinnerungsraum.
Was der Beckenboden alles trägt
Er trägt nicht nur ein Kind. Er trägt Erfahrungen. Er speichert, wie sicher wir uns gefühlt haben. Ob wir gehalten wurden. Ob wir uns anpassen mussten, um dazuzugehören.
In ihm lebt unser erstes Gefühl von Grenze: Was darf hinein, was bleibt draußen? Was halte ich – und was lasse ich gehen? Frauen haben einen Beckenboden. Männer haben einen Beckenboden.
Er ist kein weibliches Sonderthema. Er ist ein menschlicher Ort. Ein Ort von Stabilität und Hingabe zugleich.
Der Beckenboden und die feinen Spuren der Vergangenheit
Manchmal trägt der Beckenboden mehr, als zu diesem Leben gehört. Aus epigenetischer Sicht wissen wir: Erfahrungen – Stress, Angst, Daueranspannung – können Spuren hinterlassen. Nicht als Erinnerung im Kopf, sondern als Haltung im Körper. Wie viel musste gehalten werden? Wie viel durfte sich entspannen? Der Beckenboden lernt früh, was sicher ist. Und er vergisst nicht so leicht. Doch er ist lernfähig und das unser ganzes Leben lang.
Eine Einladung zum Lauschen
In der stillen Bewegung, im achtsamen Atem, beginnt der Beckenboden manchmal zu erzählen. Nicht in Worten. Sondern in Empfindungen. Ein Nachlassen. Ein Warmwerden. Ein erstes Vertrauen. Nicht, weil etwas „trainiert“ wird. Sondern weil etwas gesehen wird.
Eine kleine innere Reise
Stell dir vor, dein Becken ist eine Schale. Nicht starr. Nicht brüchig. Sondern lebendig. Du sitzt darin. Getragen von etwas, das dich schon lange kennt. Mit jedem Atemzug darf diese Schale weicher werden. Stabil bleiben – und doch durchlässig. Du musst nichts halten. Du darfst gehalten sein. Der Beckenboden als Zuhause. Vielleicht ist der Beckenboden kein Muskel, den man „in den Griff bekommen“ muss. Vielleicht ist er ein Ort, an den wir zurückkehren dürfen. Ein inneres Zuhause, in dem Würde wohnt. Grenze. Lebendigkeit. Und die leise Erinnerung daran, dass wir getragen sind – auch dann, wenn wir es lange vergessen haben.



