Es gibt Zeiten im Leben, in denen der Körper uns anhält, bevor wir es selbst tun. Manchmal geschieht das leise. Manchmal deutlich. Und manchmal in Form eines Bruchs, der uns aus dem gewohnten Weitergehen herausnimmt.
In meinem Fall war es mein Arm, der Knochen ist nicht nur einfach gebrochen, er war gesplittert und muss sich von innen heraus wieder neu aufbauen. Mit diesem Fall zerbrach auch etwas in meinem Alltag, das nicht mehr einfach funktionieren konnte wie bisher. Plötzlich war da ein Stopp. Ein Innehalten, das nicht geplant war, aber notwendig wurde. Es dauerte etwas bis ich die Situation akzeptieren konnte und brauchte etwas bis ich mich sortiert hatte. Nun bin ich schon seit fast drei Wochen gezwungen als linkshänderin meinen Alltag zu meistern, aber ich wäre nicht ich, wenn ich diese geschenkte Zeit sinnvoll nutzen würde.
Ich habe mich in dieser Zeit für eine Saftkur entschieden. Nicht als Konzept, nicht als Programm, sondern als eine Form, meinen Arm und somit Knochen in dieser Heilungsphase zu begleiten und bewusst zu unterstützen, während sich in mir etwas neu zusammenfügt, das Zeit braucht. Gleichzeitig wurde schnell klar, dass diese Zeit nicht nur körperlich wirkt.
Wenn das Außen stiller wird, wird das Innen hörbarer
Und so begann etwas, das ich im Nachhinein nur als Reise beschreiben kann. Es wurde keine Reise im klassischen Sinne, sondern eine Bewegung durch mein eigenes Leben. Erinnerungen wurden wach, und ich bewege mich durch verschiedene Ebenen die lange keinen Raum hatten.
Ich nehme mir gerade Zeit mein eigenes Leben neu zu sehen. Nicht in einzelnen Ereignissen, sondern in Zusammenhängen. In Linien, die sich durchziehen und die Mustern, die sich wiederholen. In Entscheidungen, die ich damals oft einfach getroffen habe, ohne lange innezuhalten. Heute ist der 7 Tag in dieser Phase des Fasten und der körperlichen Heilung, ich beobachte die Qualität Zeit und was es mit mir macht, wieder Zeit nur für mich zu haben. Alles scheint langsamer geworden zu sein und es tauchen diese inneren Landschaften, wie Neuseeland, Zusammenbrüche und Neuanfänge wieder auf.
Ich beginne die Frau, die immer weitergemacht hat zu würdigen. Die Frau zu sehen die Momente hatte, in denen sie nicht wusste wie es weitergeht. Ich wertschätze die Momente, in denen genau in diesen Zeiten etwas Neues entstanden ist. Ich gehe spazieren, so wie damals, vor 11 Jahren und schreibe auf, was mir auf meinen Spaziergängen in den Sinn kommt und mein Herz zum Beben bringt. Ich lausche was mir mein Körper in der Nacht erzählt, wenn sich Emotionen aus dem Unterbewusstsein lösen.
Die folgenden Texte möchte ich gerne mit anderen Menschen teilen: in der Möglichkeit das sie andere begegnen die ähnlich fühlen, dich beim Lesen berühren so wie sie gerade mich berühren und eventuell etwas in dir bewegen was auch mich gerade sehr bewegt.
Ich danke dir für dein Innehalten, deine Zeit und dein Dasein.



