Es gibt Abschiede, die laut sind. Mit Kampf, mit Rechtfertigung, mit dem Versuch, etwas endgültig zu beenden. Und es gibt Abschiede, die leise sind. So leise, dass sie sich anfühlen wie ein Übergang nach innen.
Loslassen bedeutet nicht immer, dass die Liebe endet. Manchmal bedeutet es, dass sie ihren Platz wechselt – von der Bindung in die Erinnerung, vom Außen in das Herz.
Wenn wir loslassen, passiert das nicht nur im Kopf, sondern es geschieht auch etwas in unserem Körper und somit auch im Nervensystem. In diesem Prozess ist unser Nervensystem der Wächter und begleitet uns durch die feinen Schichten, die lange versucht haben, festzuhalten, um uns wieder sicher zu fühlen und aus dem Herzen heraus auch zu sein.
Ich habe verstanden, dass ich jemanden gehen lassen kann, ohne das, was war, klein zu machen. Ohne die Liebe zu verleugnen, die echt war. Ohne mir selbst zu erzählen, dass ich mich geirrt habe. Manche Menschen begleiten uns nur bis zu einem bestimmten Punkt. Nicht, weil etwas falsch war, sondern weil sich das Leben weiterbewegt und wir innerlich nachreifen.
In solchen Übergängen zeigt sich etwas Neues: Das Nervensystem darf lernen, dass Sicherheit nicht mehr vom Gegenüber kommt, sondern von innen. Dass Weite entstehen kann, ohne dass etwas verloren gehen muss. Manchmal sehen wir den anderen dann noch einmal – nicht in der Enttäuschung, nicht im Mangel, sondern im Wesen. Lebendig. Verbunden. Ganz bei sich.
Und das Herz merkt: Ich kann dich lieben und dich trotzdem gehen lassen. Das ist kein Zurück. Das ist ein Integrieren. Ein inneres Ordnen. Ein Übergang von Festhalten zu Würde. Von Anspannung zu Weichheit. Von äußerer Bindung zu innerer Sicherheit. Vielleicht ist das Erwachsenwerden der Liebe genau das: Dass sie bleibt, ohne besitzen zu müssen.
Und dass wir ankommen
nicht am Ziel, sondern in uns selbst



