Ich erwache in der stillen Dunkelheit der Nacht. Die Welt schläft noch, aber in mir regt sich etwas. Meine Yogamatte ruft mich leise, wie eine vertraute Freundin, die mich auffängt, wenn das Leben zu schwer wird. Die letzten 24 Stunden haben Türen in mir geöffnet – Türen, die ich so lange fest verschlossen hielt.
Eine Frage hallt in meinem Herzen wider: Reicht meine Liebe aus, um Berge zu versetzen? Berge, die sich in den Abgründen einer Sucht türmen. Immer wieder versuche ich, mit meiner Liebe etwas im Außen zu verschieben, doch stattdessen verbiege ich mich selbst – so sehr, dass ich mich verliere, mich selbst nicht mehr erkenne. Angst legt sich um mein Herz, warm und schwer, wie eine Umarmung, die nicht loslässt.
Draußen umarmt mich die tropische Nacht. Der Himmel funkelt voller Sterne, der warme Wind trägt den Duft des Ozeans zu mir. Die Magie des Vulkans vibriert in der Luft. Ich atme tief ein, meine Sinne erwachen. In meiner Bewegung spüre ich die unerschöpfliche Kraft des Meeres – beständig, voller Hingabe, niemals nachlassend.
Das Leben fließt durch mich, mit jedem Atemzug. Ich gleite durch meine Asanas, mein Körper findet seinen Rhythmus, mein Geist wird still. Der Sonnengruß – sanft erweckt er meine Glieder, streichelt meine Seele.
Plötzlich bin ich wieder im Garten, meine Gedanken reisen zurück, mein Herz wird warm und weich. Die Blumen, die Pflanzen, die Bäume – einst setzte ich sie in die Erde, am anderen Ende der Welt. Sie waren mein Elixier, meine Schöpfung. Ich schenkte so vielen Leben, doch ließ sie zurück. Ein bittersüßes Gefühl durchströmt mich.
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Die Sterne verblassen, die ersten Vögel singen ihr Morgenlied. In der Dämmerung erkenne ich die Konturen des Vulkans, das Meer breitet sich weit vor mir aus. Der Himmel färbt sich in tiefem Lila, durchzogen von feurigem Rot.
Und wieder bin ich im Garten, meine Hände streichen voller Zärtlichkeit über die Blüten. Während ich jede Blume berühre, spüre ich, wie mein eigenes Herz gestreichelt wird. Ich werde mir bewusst, wie entwurzelt ich mich all die Jahre gefühlt habe. Doch jetzt… jetzt bin ich gehalten.
Hier, im Schoß dieser Erde, finde ich Geborgenheit. Yin sinkt sanft in mein Herz, fließt durch meinen Körper, durch jede Zelle. Weiblichkeit entfaltet sich, weich, weit, tief. Eine Welle unendlicher Dankbarkeit erfasst mich. Tränen laufen über mein Gesicht, lösen alles, was zu lange fest war.
Ich bin wieder bei mir. Mein Herz singt in den schönsten Tönen, mein Leben erblüht in den wundervollsten Farben.
Ich bin angekommen.